Storytelling für die Über-mich-Seite
Viele Website-Besucher öffnen zuerst die Über-mich-Seite, um zu prüfen, mit wem sie es zu tun haben. Wer dort nur Berufsstationen und Qualifikationen auflistet, liefert Fakten, aber keinen Grund, gerade diese Person zu beauftragen.
Storytelling auf der Über-mich-Seite heißt: Sie wählen die Lebensereignisse aus, die erklären, wie Sie zu dem wurden, was Sie heute anbieten. Sie erzählen sie so, dass der Leser eine Verbindung zu seiner eigenen Lage herstellt. Der Unterschied zur Biografie liegt in der Auswahl und Anordnung der Ereignisse, nicht im Erfinden.
Der Unterschied zur Biografie
Eine Biografie beantwortet die Frage, was Sie gemacht haben. Eine Geschichte zeigt, wie Sie zu dem geworden sind, der diese Arbeit macht. Der Unterschied liegt in der Auswahl: Eine Biografie reiht Stationen aneinander, eine Geschichte lässt einige Stationen weg und hebt andere hervor, weil sie etwas erklären.
Das wichtigste Mittel ist die Verbindung zwischen den Ereignissen. Wenn Sie schreiben, dass Sie mehrere Jahre in einer Agentur gearbeitet und dann ein eigenes Studio gegründet haben, bleibt der Leser außen vor. Wenn Sie schreiben, welche konkrete Erfahrung in der Agentur den Ausschlag gab, wird aus der Information eine Geschichte. Der Leser sieht dann, welche Haltung hinter Ihrer Arbeit steht.
Für die Auswahl gilt eine einfache Regel: Jede Station, die Sie erwähnen, muss entweder erklären, warum Sie heute etwas Bestimmtes tun, oder zeigen, was Ihnen wichtig ist. Alles andere gehört in den Lebenslauf.
Spannung durch Konflikt und Wendepunkt
Eine Geschichte braucht Spannung, sonst liest sie sich wie ein Bericht. Die Spannung entsteht durch ein Problem, das Sie gelöst haben, oder eine Entscheidung, die Sie getroffen haben. Ohne diesen Punkt wirkt die Seite glatt und austauschbar.
Der Konflikt muss nicht dramatisch sein. Es reicht ein beruflicher Wendepunkt. Das kann die Branche sein, in der Sie sich nicht wiedergefunden haben. Es kann ein Projekt sein, das gescheitert ist und Ihnen etwas beigebracht hat. Oder es ist die Marktlücke, die Sie entdeckt haben. Wichtig ist, dass Sie ehrlich benennen, was auf dem Spiel stand. Der Satz "Ich habe meinen sicheren Job gekündigt, weil ich eine Idee nicht mehr ignorieren konnte" wirkt anders als die bloße Angabe, dass Sie sich selbstständig gemacht haben.
Der Wendepunkt ist der Moment, in dem sich Ihre Haltung oder Ihr Weg geändert hat. Er sollte konkret sein: eine Begegnung, ein Gespräch, ein gescheitertes Projekt, eine Beobachtung am Markt. Je genauer Sie diesen Moment beschreiben, desto glaubwürdiger wird die ganze Geschichte. Sie müssen dabei nicht der üblichen Heldenreise folgen, bei der Krise, Erkenntnis und Triumph immer in derselben Reihenfolge kommen. Sie können mit dem Wendepunkt beginnen und dann erklären, was davor war. Die Struktur soll die Aussage unterstützen, nicht umgekehrt.
Die Zielgruppe entscheidet über die Details
Die Über-mich-Seite ist kein Selbstgespräch. Sie erzählen Ihre Geschichte für Menschen, die ein bestimmtes Problem haben und prüfen, ob Sie die richtige Person sind. Legen Sie deshalb vor dem Schreiben fest, welche Leser die Seite erreichen soll und welche Entscheidung sie danach treffen sollen.
Ein Beispiel: Eine Fotografin, die Hochzeiten begleitet, erzählt anders als eine Fotografin, die Produkte für Online-Shops fotografiert. Die eine spricht über Momente und Nähe, die andere über Termindruck und technische Präzision. Beide können dieselbe Biografie haben, aber die Auswahl der Details richtet sich nach dem, was die jeweiligen Kunden hören müssen.
Wenn Sie sehr unterschiedliche Zielgruppen bedienen, haben Sie zwei Möglichkeiten. Sie finden ein Thema, das alle Gruppen verbindet, etwa Ihre Herangehensweise an Qualität oder Ihre Art, mit Menschen zu arbeiten. Oder Sie schreiben für die wichtigste Gruppe und behandeln die anderen auf eigenen Unterseiten. Eine Seite, die allen etwas sagen will, sagt meist niemandem etwas.
So klingt die Seite nach Ihnen
Die Über-mich-Seite ist der Ort, an dem Ihr Schreibstil sichtbar wird. Der Ton sollte zu Ihrer Branche passen und trotzdem nach Ihnen klingen. Eine Steuerkanzlei kann klar und sachlich schreiben, ein Reiseblog persönlich und bildhaft. Beide können gut erzählen, aber mit unterschiedlichen Mitteln.
Achten Sie auf die Sprache. Formulierungen wie "leidenschaftlicher Unternehmer" oder "mit Herzblut bei der Sache" sagen nichts über Sie aus, weil sie jeder schreiben kann. Konkrete Wörter und Szenen bleiben dagegen hängen. Statt zu schreiben, dass Sie Wert auf Qualität legen, beschreiben Sie, wie Sie ein Produkt mehrfach geprüft haben, bevor Sie es ausgeliefert haben. Der Leser zieht daraus seinen eigenen Schluss, und der ist stärker als jede Selbstbeschreibung.
Lesen Sie den fertigen Text laut vor. Sätze, über die Sie stolpern, sind zu lang oder zu verschachtelt. Streichen Sie Wörter, die nur schmücken: "sehr", "wirklich", "besonders". Jeder Satz sollte die Geschichte voranbringen oder die Haltung zeigen. Wenn er beides nicht tut, gehört er nicht auf die Seite. Nach jedem Absatz können Sie sich fragen, was der Leser jetzt über Sie weiß, das er vorher nicht wusste. Wenn die Antwort "nichts" lautet, streichen Sie den Absatz.
Fehler, die die Wirkung zerstören
Der häufigste Fehler ist der Einstieg mit einer Aufzählung: "Ich bin Vater, Unternehmer und begeisterter Läufer." Solche Sätze sagen nichts über Ihre Arbeit und geben dem Leser keinen Grund weiterzulesen. Besser ist ein Einstieg in eine Szene oder eine Frage, die Ihre Haltung zeigt.
Ein zweiter Fehler ist, den Konflikt zu verschweigen. Wer nur Erfolge erzählt, wirkt unnahbar. Der Leser vertraut Menschen, die auch benennen, was nicht funktioniert hat und was sie daraus gelernt haben. Das bedeutet nicht, dass Sie private Probleme ausbreiten sollen. Es reicht, wenn Sie berufliche Schwierigkeiten ehrlich benennen.
Ein dritter Fehler ist die Länge. Eine Über-mich-Seite ist kein Buch. Die meisten Leser überfliegen sie zuerst und entscheiden in wenigen Sekunden, ob sie genauer lesen. Deshalb sollte der Text kurz genug sein, um an einem Stück gelesen zu werden, und trotzdem eine vollständige Geschichte enthalten. Wenn Sie nach dem Schreiben das Gefühl haben, Sie könnten problemlos die Hälfte streichen, ohne dass die Aussage leidet, ist die Seite noch nicht fertig.
Ein vierter Fehler ist das fehlende Ende. Nach der Geschichte sollte klar sein, was Sie heute tun und wie der Leser Sie erreichen kann. Der letzte Absatz ist keine Zusammenfassung, sondern die Brücke zum Kontakt: Sie benennen Ihr aktuelles Angebot und laden zu einem Gespräch ein.