Das Set „Am Arsch vorbei geht auch ein Weg – 55 Karma-Kärtchen zum Lockermachen“ eignet sich als Geschenk für jemanden, der sich im Alltag schnell von Ärger und Erwartungen mitreißen lässt und flapsigen Humor mag. Alexandra Reinwarths Set erschien 2019 und enthält 55 Karten.
Eine Karte gibt einen kurzen Denkanstoß: Ziehen Sie eine Karte. Denken Sie beim Lesen des Spruchs an eine konkrete Situation. Überlegen Sie dann, was Sie als Nächstes tun. Die vier Schritte sind ein Vorschlag, keine offizielle Anleitung des Verlags und kein Versprechen, dass die Karten Stress zuverlässig senken.
1. Einen Anlass auswählen
Wählen Sie eine Situation, die Sie gerade unnötig stark beschäftigt. Vielleicht ärgert Sie eine Nachricht. Vielleicht wirkt Ihre Aufgabenliste zu voll. Oder Sie haben einer Verabredung zugesagt, obwohl Sie lieber zu Hause bleiben würden. Mit einem konkreten Anlass fällt es leichter, darüber nachzudenken. Der Vorsatz, ab jetzt alles gelassener zu sehen, ist dafür zu groß und unbestimmt.
Wenn Sie das Set verschenken, bedenken Sie auch den Anlass und Ihre Beziehung zur beschenkten Person. Die direkte Sprache kann befreiend oder unpassend wirken. Als aufmunternde Aufmerksamkeit eignet sie sich eher für Menschen, die derben Humor schätzen, als für jemanden, der gerade mit einer ernsten Belastung kämpft.
2. Eine Karte ziehen und innehalten
Ziehen Sie eine Karte und lesen Sie sie in Ruhe. Reagieren Sie nicht sofort mit Zustimmung oder Ablehnung. Fragen Sie sich stattdessen: Was fällt mir an meiner Reaktion auf die Situation gerade auf? Vielleicht merken Sie, dass Sie sich über etwas ärgern, das Sie nicht beeinflussen können. Außerdem kann Ihnen klar werden, dass Sie eine Grenze setzen oder ein Gespräch führen müssen.
Die Karte muss keine fertige Lösung liefern. Nutzen Sie den Spruch, um kurz abzuwarten, bevor Sie Ihrem ersten Impuls folgen. Wenn der Spruch für Ihre Situation keinen Sinn ergibt, müssen Sie ihn nicht passend machen.
3. Einfluss und Grenzen prüfen
Prüfen Sie, was Sie selbst ändern können und was nicht. Auf eine Nachricht können Sie später antworten; die Reaktion der anderen Person bestimmen Sie nicht. Eine Aufgabe können Sie neu ordnen. Eine Verpflichtung bleibt bestehen, auch wenn Sie sich weniger darüber ärgern.
Gelassenheit heißt deshalb nicht, ein Problem zu ignorieren. Wenn jemand Ihre Grenze überschreitet, eine wichtige Aufgabe liegen bleibt oder ein Konflikt geklärt werden muss, braucht es eine konkrete Reaktion. Die Karte kann helfen, den Ärger zu sortieren. Sie ersetzt weder eine Entscheidung noch ein notwendiges Gespräch.
4. Einen kleinen Schritt festlegen
Wählen Sie eine Handlung, die zur Situation passt und überschaubar bleibt. Sie können eine Antwort erst schreiben, wenn Sie sich beruhigt haben, eine Bitte ablehnen, eine Aufgabe verschieben oder bewusst nichts ändern und die Lage zunächst beobachten. Entscheidend ist, dass Sie am Ende wissen, was Sie als Nächstes tun.
Manchmal ist es am besten, die Situation erst einmal stehen zu lassen. In anderen Fällen zeigt sich beim Nachdenken, dass Sie handeln müssen. Wenn Sie trotz Karte keine hilfreiche Idee finden, lassen Sie die Übung enden, statt sich zu einer Erkenntnis zu zwingen.
Was die Forschung zu Reflexionsübungen sagt
Es gibt keinen Wirksamkeitstest für dieses Kartenset. Studien zu ähnlichen Reflexionsübungen liefern nur vorsichtige Hinweise. Sie beantwortet nicht, ob die 55 Karten Stress senken oder langfristig gelassener machen.
Eine randomisierte Studie mit 95 gesunden Studierenden untersuchte tägliche Fragen zur Selbstfürsorge über drei Wochen. In der Gruppe mit den Fragen gingen Stress und negative Gefühle im Vergleich zur Kontrollgruppe zurück. Bei Glücksempfinden und positiven Gefühlen zeigte sich kein entsprechender Unterschied. Die Studie prüfte weder gedruckte Karten noch dieses Set.
Auch Studien zum expressiven Schreiben, bei dem Menschen ihre Gedanken und Gefühle aufschreiben, kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Eine Meta-Analyse, die 31 Studien zusammenfasste, fand einen kleinen Gesamteffekt auf depressive, ängstliche und stressbezogene Symptome. Eine frühere Meta-Analyse fand keine signifikanten Gesamteffekte auf psychische oder körperliche Gesundheit. Diese Übungen unterscheiden sich vom Ziehen einer Karte. Sie begründen daher keine Aussage, dass Karma-Kärtchen therapeutisch wirken.










